Musikfestival Bern

Gebärdensprachübersetzung der audiovisuellen Performance «Algorithms do dream» im Rahmen des Musikfestival Bern 2025. © Annette Boutellier, Musikfestival Bern
Ort: Bern
Netzwerkmitglied: seit 2025
Labelpartnerschaft: 2017 - 2019 / 2020 - 2023
Webseite: www.musikfestivalbern.ch
Mit einem inklusiven Berater*innen -Team werden für jede Festivalausgabe des Musikfestival Bern inklusive Massnahmen entwickelt, umgesetzt und evaluiert: Deaf Interpreters kommen zum Einsatz, es gibt auditive Wegbeschreibungen und audiodeskribierte Performances, Social Storys helfen bei der Vorbereitung von Konzertbesuchen und die eigene Praktikumsstelle richtet sich an Menschen mit Diskriminierungserfahrung.
Musikfestival Bern
Das Musikfestival Bern ist eines der grössten Schweizer Festivals für zeitgenössische Musik und stellt jährlich Anfang September Hörgewohnheiten auf den Kopf. Während fünf Tagen wird in einem dichten Programm alte und neue, improvisierte, experimentelle und elektronische Musik auf die Bühnen verschiedener Spielorte gebracht. Nachhaltige Projekte im Bereich Musikvermittlung und seine inklusive Ausrichtung runden das Festival ab.
Kulturelles Angebot
Das Musikfestival Bern verfolgt seit vielen Jahren das Ziel, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am kulturellen Leben nachhaltig zu fördern. Für jede Festivalausgabe werden zusammen mit einem inklusiven Berater*innenteam verschiedene Massnahmen entwickelt, umgesetzt und evaluiert, welche die Angebote des Festivals für Menschen mit Behinderungen zugänglich und erlebbar machen. Entsprechende personelle und finanzielle Ressourcen sind strukturell verankert und werden zur Verfügung gestellt. Als Festival für zeitgenössische Musik ist es Teil seiner DNA, immer wieder neue Wege zu gehen, Formate auszuprobieren und Experimente zu wagen. Mit demselben Anspruch möchte das Musikfestival Bern auch im Bereich der Inklusion immer wieder aufs Neue Grenzen hinterfragen und Barrieren überwinden.
Inhaltlicher Zugang
Als einer der ersten Konzertveranstalter hat das Musikfestival Bern 2019 eine Vorstellung in Gebärdensprache übersetzen lassen und damit hörendes wie gehörloses Publikum fasziniert. Seit diesem Erfolg wird in jeder Festivalausgabe mindestens eine Produktion mit Gebärdensprachübersetzung angeboten. Da es sich zum grössten Teil um Uraufführungen neuer Werke handelt und eine lange Vorbereitungszeit deshalb unmöglich ist, ist von den Dolmetscherinnen eine grosse Spontanität und Flexibilität erforderlich. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder versucht, Deaf Interpreters einzubinden, was aus dem genannten Grund nicht ganz einfach ist. Für Menschen mit Sehbehinderung werden regelmässig Performances mit Audiodeskription angeboten, sowie taktile Führungen durch Installationen, die es den Teilnehmenden erlauben, Instrumente und Klangkörper haptisch kennenzulernen und auszuprobieren. Alle Veranstaltungen mit Zugangshilfen werden im Spielplan des Festivals entsprechend gekennzeichnet und über verschiedene Kanäle an die Zielgruppen kommuniziert.
Baulicher Zugang
Das Musikfestival Bern ist mit seinen Konzerten an einer Vielzahl von Spielorten zu Gast – auch immer wieder an solchen, die nicht als Veranstaltungsorte etabliert sind. Bei der Auswahl dieser Orte wird auch auf ihre bauliche Barrierefreiheit geachtet. Die Beurteilung erfolgt unter Einbezug einer Beraterin, die im Rollstuhl unterwegs ist. Die Spielorte werden mit einem Fragenkatalog zu ihrer Rollstuhlgängigkeit befragt und so für die Bedürfnisse von rollstuhlfahrenden Personen sensibilisiert. Sollte es doch einmal unüberbrückbare Hindernisse geben, wird nach kreativen Lösungen gesucht (z.B. Liveübertragung).
Arbeitsangebote
Über die Jahre hat sich das Musikfestival Bern ein breites Netzwerk aus Personen mit verschiedenen Behinderungen aufgebaut. Vier davon – je eine Person mit Hör-, Seh-, Mobilitäts- und psychischer Beeinträchtigung – bilden seit drei Jahren das sog. «Beratungsteam Inklusion» und unterstützen das Festivalbüro bei der Auswahl geeigneter Massnahmen, bei der Bewerbung der Veranstaltungen in den entsprechenden Communities, sowie bei der Evaluation und Weiterentwicklung. Darüber hinaus schreibt das Festival für je vier Monate im Sommer eine Praktikumsstelle aus, die vorzugsweise mit einer Person mit Diskriminierungserfahrung besetzt wird. Im Sommer 2024 war so erstmals eine gehörlose Person im Team des Festivals und ermöglichte allen wertvolle Erfahrungen und neue Perspektiven.
Kommunikation
Die Website des Musikfestival Bern ist barrierefrei und wird regelmässig von einer Person mit Sehbehinderung auf ihre Funktionalität geprüft. Das Festivalprogramm wird online in Leichter Sprache veröffentlicht. Informationen bezüglich Zugänglichkeit werden on- und offline verständlich kommuniziert. Für die Angebote für Menschen mit Hörbehinderung werden Trailer in Gebärdensprache veröffentlicht. Für Menschen mit Sehbehinderung stehen auditive Wegbeschreibungen zu den Spielorten zur Verfügung. Personen mit psychischer Beeinträchtigung können sich mit Hilfe von Social Stories auf den Konzertbesuch vorbereiten. Das Musikfestival ist bemüht, sein Netzwerk stetig zu erweitern und sucht die Kooperation mit Vereinen, Organisationen und Multiplikator*innen, um seine Angebote bei den Zielgruppen bekannt zu machen.
Frühere Beiträge
Verständlichkeit im Programmheft dank einfacher Sprache
Einfach geschrieben und kurz zusammengefasst
Musikfestival Bern, Bern
Immer mehr Kulturinstitutionen aus den Darstellenden Künsten und der Musik bieten im wichtigsten Kommunikationsprodukt für ihr Publikum, dem Programmheft, auch eine vereinfachte Sprache und kurze Zusammenfassungen an. Wie unterschiedlich dies angewendet wird und welche Ziele erfüllt werden sollen, zeigen die Beispiele von sechs unserer Labelträger.
Porträt, Interview (2018) & Videobeitrag (2017)
Musikfestival Bern, Bern
Das Festivalporträt über Möglichkeiten, Musik über mehrere Sinne und durch Zugangshilfen erfahrbar zu machen. Im Interview erläutert die Redaktionsverantwortliche, wie das Festival barrierefreie Kommunikation umsetzt. Und im Videobeitrag erzählt die Vermittlungsverantwortliche vom inklusiven Musikvermittlungsprojekt Radio Antenne.

